Sind Sie bei Begegnungen mit Hunden unsicher?

Täglich ergeben sich Situationen, in denen Nicht-Hundebesitzer und Hundebesitzer aufeinander treffen. Gegenseitiger Respekt und Entgegenkommen sollten diese Begegnungen kennzeichnen. Es kommt jedoch trotzdem immer wieder zu Missverständnissen, die mit mehr Wissen auf beiden Seiten um das Hundeverhalten schnell ausgeräumt werden können.

„Bogen gehen“ ist für Hunde eine erfolgreiche Strategie, um Konflikte zu entschärfen, sowohl im Kontakt mit Artgenossen als auch mit Menschen.

1. Frontales und aufrechtes Zugehen auf einen Hund
Im Rudel nähern sich Hunde bei unklarer Rangordnung bzw. Gemütslage immer seitlich und nie von vorne. Eine frontale Annäherung wird immer als Bedrohung und nicht als freundliche Annäherung interpretiert.
Einen Bogen zu gehen wäre ein hilfreiches Signal, um einander nicht frontal zu begegnen. Auch Menschen oder Hundebesitzer mit einem ängstlichen Hund können einen Bogen gehen, um eine Bedrohung zu vermeiden.

2. Über den Kopf beugen
Das „sich über den Kopf Beugen“ ist eine weitere Steigerungsstufe der bedrohliche frontale Annäherung. Es wird vom Hund eindeutig als bedrohliche Geste angesehen. Im Rudel wird die Rangordnung oft durch das Auflegen des Kopfes oder der Pfote auf den Rücken eines rangniedrigeren Tieres demonstriert.

Eine Hand, die von oben kommt, ist für den Hund immer unangenehm und bedrohlich, besonders wenn man ihm keine Möglichkeit zum Ausweichen lässt. Wenn die Hand von vorne unten kommt, wird das Streicheln hingegen zum Vergnügen.

3. Streicheln über den Kopf
Das Streicheln über den Kopf mag zwar freundlich gemeint sein, beim Hund wird es jedoch als starke körperliche Bedrohung empfunden, sozusagen die höchste Stufe der vorangegangenen zwei bedrohlichen Signale.

4. Schnelle Bewegungen
Je langsamer man sich bewegt, umso stärker ist der beruhigende Effekt.
Hunde reagieren sehr sensibel auf Geschwindigkeit.

Den Kopf oder den Körper abzuwenden ist ein klares Signal für „Lass mich in Ruhe“. Foto: © Sabine Nikodemus

5. Anspringen
Wenn ein Mensch von einem Hund angesprungen wird, sollte er sich abwenden und damit ein ganz starkes Beruhigungssignal aussenden. Man zeigt ihm für ein unerwünschtes Verhalten gewissermaßen die „kalte Schulter“.

Läuft ein Hund auf einen zu, ist es das Beste, ganz ruhig stehen zu bleiben. © Bernhard Luck

Ein paar wichtige Tipps:

Wenn ein Hund auf einen zuläuft, stillhalten und ruhig stehen bleiben. Die Arme ruhig neben dem Körper hängen lassen und dem Hund nicht direkt in die Augen schauen („zur Salzsäule erstarren“). Den Körper nicht anspannen, sondern ruhig weiteratmen.
In einer Extremsituation, z. B. wenn ein Kind von einem Hund umgeworfen wird: sich auf den Boden knien, die Hände schützend vor den Kopf halten („ein Paket machen“).

Wenn man einem fremden Hund begegnet, sollte man ihm langsam und ruhig den Handrücken zum Schnüffeln hinhalten.

Richtiges Verhalten bei der Begegnung mit einem unbekannten Hund:
Immer um Erlaubnis fragen, bevor man sich einem fremden Hund nähert. Nur wenn die Tierhalter es erlauben, den Hund streicheln. Dazu kann man dem Hund die verdeckte Hand (Handrücken) entgegenhalten, damit er daran riechen und entscheiden kann, ob ihm der Kontakt angenehm ist oder nicht. Die offene, flache Hand hingegen könnte mit der Erwartung verknüpft werden, dass ein Leckerbissen gereicht wird. Den Hund am Hals und an der Brust streicheln und nicht am Kopf. Die von oben herab kommende Hand könnte Angst auslösen.
Nicht nachlaufen, wenn der Hund sich entfernt, nicht vor dem Hund weglaufen, keine schnellen Bewegungen in der Nähe des Hundes. Wenn ein Hund alleine ist, sich dem Hund nicht annähern.


Mehr zum Thema in der Broschüre „Hunde sicher verstehen“