Fisch-Interview

Über Fisch - Erste Hilfe, zarte Fischhaut, Qualzuchten und Fische unterwegs

© Privat

Kati Platy: Sie sagen, Fische schwimmen im Aquarium im eigenen Klo. Ich bin ein Fisch und nun bin ich baff. Mein Aquarium ist ein Fischklo?

Prof. Dr. Elisabeth Licek: Ja. Ganz einfach: Du frisst im Aquarium etwas und dann scheidest du es als  Stoffwechselprodukt, zum Beispiel als Ammoniak wieder aus. Deshalb müssen die Menschen regelmäßig das Wasser im Aquarium wechseln. Damit ihr Fische euch wohlfühlt, sollen auch die Wasserhärte und die Wassertemperatur so sein, wie im Tümpel oder Fluss eurer wilden Vorfahren. Die Menschen, die ein Aquarium haben, müssen genau wissen, welche Bedingungen die Fischarten brauchen.  

Kati Platy: Wie können Kinder erkennen, wenn es einem von uns nicht mehr gut geht?

Prof. Dr. Elisabeth Licek: Sie sollten euch täglich beobachten. Scheuert sich einer von euch an Wurzeln oder Steinen? Das kann ein Zeichen für Parasitenbefall sein. Kippt er auf die Seite? Wenn seine Farben verblassen, kann das ein akutes Krankheitszeichen sein. Sind seine Atembewegungen ungewöhnlich schnell? Hält er sich nahe beim Filter auf? Dann könnte es sein, dass es im Wasser zu wenig Sauerstoff gibt. Es ist auch auffällig, wenn Fische, die im Schwarm leben, nicht mehr mit der Gruppe zusammen sind, sondern sich die ganze Zeit verstecken. Bei all diesen Anzeichen sollte man schnell ExpertInnen um Rat fragen.

Kati Platy: Wer kann uns Fischen helfen, wenn es uns schlecht geht?

Prof. Dr. Elisabeth Licek: Menschen, die Fische halten, sollten wissen, wo sie schnell Hilfe bekommen. So kann bei Problemen mit der Wasserqualität ein Aquaristik-Verein helfen und einige Tierärzte/-ärtzinnen kennen sich gut mit Aquarium-Fischen aus. Wichtig ist nur, dass die Menschen den Kontakt haben, bevor etwas passiert.

Sagt das bitte Euren Eltern weiter.

Wie soll ein Fisch transportiert werden?

In einem speziellen Sackerl (in Tierhandlungen erhältlich) mit 1/3 Wasser, 2/3 Luft -  in eine Schachtel geben - oder größere Fische in einem Kübel (mit Deckel). Der Transport sollte immer so kurz als möglich sein.

Kati Platy: Warum ist meine Fisch-Haut so empfindlich?

Prof. Dr. Elisabeth Licek: Menschen haben eine Hornhaut. Sie schützt die darunter liegenden Hautzellen. Bei Fischen fehlt diese Hornhaut. Sie haben stattdessen den Hautschleim, der auf der Haut liegt. Wird diese schützende Schleimschicht verletzt, kann die Haut an dieser Stelle eine Pilzkrankheit bekommen. Übrigens hilft dir die Schleimschicht auf der Haut beim Schwimmen, weil sie den Reibungswiderstand im Wasser herabsenkt. Falls es sich nicht vermeiden lässt und die Menschen dich angreifen müssen, dann sollen sie das nur mit nassen Händen tun. So bleibt deine Fischhaut gesund.   

Kati Platy: Manche Fische sind so gezüchtet worden, dass sie besonders lange Schwanzflossen oder extrem hervorstehende Augen haben. Warum sehen die so seltsam aus?

Prof. Dr. Elisabeth Licek:  Zum Glück siehst du, Kati Platy, sehr natürlich aus.

Prof. Dr. Elisabeth Licek: Du bist deinen wilden Vorfahren sehr ähnlich. Das können nicht alle Aquarienfische von sich behaupten. Manche sind stark überzüchtet. Sie haben zum Beispiel besonders lange Schwanzflossen oder extrem hervorstehende Augen, weil manche Menschen das schön finden. Aber diese Menschen müssen auch nicht mit solchen Körperteilen herumschwimmen! Da die Fische oft darunter leiden, nennt man diese Züchtung Qualzucht. Unter http://www.vaz.ch/projekte/fischschutz/index.html kannst du Bilder davon sehen.

Kati Platy: Huch! Ich hoffe, das kommt nicht in Mode und alle Fische müssen so aussehen.

Prof. Dr. Elisabeth Licek: Wenn die Kinder dieses Interview lesen, dann werden sie doch hoffentlich aufpassen, welche Fische sie sich zulegen.

Kati Platy: Das hoffe ich auch! Vielen Dank für das Interview. 

Prof. Dr. Elisabeth Licek ist allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige für Fische und Präsidentin vom „Blauen Kreis“ - Zoologische Gesellschaft Österreichs für Tier- und Artenschutz. Sie war bis vor kurzem an der Veterinärmedizinischen Universität Wien tätig.

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