Buchtipp

„Wir streicheln und wir essen sie“ von Hal Herzog

Hal Herzog, Professor der Psychologie an der Western Carolina University, erforscht seit Jahrzehnten die Mensch-Tier-Beziehung. Eine paradoxe, ambivalente und skurrile Beziehung laut seinem neuen Buch „Wir streicheln und wir essen sie“. Doch er erhebt nicht den Zeigefinger, sondern erzählt lebendig und (selbst)ironisch über unsere Widersprüchlichkeiten „zum lieben Vieh“.

Zum Beispiel über Menschen, die keine Tiere essen, aber Ihren Hauskatzen Fleisch aus der Massentierhaltung verfüttern. Kampfhahnbesitzer, die ihre Hähne über alles lieben und diese vor Publikum bis zum Tod kämpfen lassen. Hunde, die auf Grund menschlicher Vorstellungen von „Schönheit“ über Jahrzehnte so überzüchtet wurden, dass sie nur mehr ein Leben unter Schmerzen führen können.

Hal Herzog beschäftigt sich mit zahlreichen Themen und er macht es differenziert und frei von jeglicher Ver- und Beurteilung. Der Mitbegründer der Anthrozoologie (interdisziplinäre Wissenschaft, deren Inhalt die Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung ist) blendet nichts aus. Versuchstiere in der Medizin und der Kosmetik, Hunde als Heim- und Nutztiere, Schlachtung und Fleischkonsum werden genauso beleuchtet wie das Kindchenschema von Pandas und Robbenbabys und die Angst vor Spinnen und Schlangen.

Der Autor sieht die Welt „eher in Grautönen als in dem scharfen Schwarzweiß überzeugter Tierschützer und ihrer fanatischen Gegner“. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer: lesen Sie dieses wunderbare, kluge Buch!

Wir streicheln und wir essen sie

Originaltitel: Some we love, some we hate, some we eat

Carl Hanser Verlag, 320 Seiten, 19,90 Euro